Das Weihnachtsfest feierten wir bereits am Morgen des 24. Dezembers. Eigentlich sollte es um 10.00 Uhr beginnen, aber wie dies hier halt so ist, begann es dann schlussendlich erst um 11.30 Uhr. In der Cabaña wurde ein kleiner, herziger Christbaum aufgestellt und auf einem Kissen, wurde das Jesuskindlein hereingetragen und zum Baum gelegt. Einige Geschenke für die Erzieherinnen und die Mädchen wurden ebenfalls rund um den kleinen Tisch gestellt. Wir begannen mit der Aufführung eines Weihnachtsliedes, dass jede Familie vorbereitet hatte. Es wurde eine Jury ausgewählt und jede Familie zeigte ihr Bestes. Bewertet wurde der Gesang, das Zusammenspiel der Instrumente, die Choreograpie, die Kleidung,… Ich durfte bei der Familie „Papagayo“ mitsingen, da wir im selben Haus wohnen. Zum Glück hatte ich meinen Fotoapparat im Hosensack, sonst hätte ihr mich einmal in einer kolumbianischen Tracht gesehen, natürlich mit Rock. Zum Schluss hat die Jury die Gewinner mit einer kleinen Süssigkeit prämiert. Gewonnen hat die Familie Colibri, weil sie so gut gesungen haben, sogar die Jüngste hat mitgemacht. Da es jedoch keine Verlierer gibt, bekamen alle eine Einladung von Hermana Maria Adelina um am 4. Januar 09 einen Badetag in Chachagui zu verbringen. Eine riesige Freude breitete sich im Raum aus.
Danach begannen wir mit der „Novena“ für Weihnachten und sangen Weihnachstlieder. Die Geschichte von Maria und Josef wurde von Hermana Angela erzählt. Die verschiedenen Gebete für Maria, Josef und das Jesuskind wurden von verschiedenen Kindern vorgelesen. Es war wieder einmal mehr sehr gut zu erkennen, dass die Geburt Jesus wirklich im Zentrum steht und die Geschenke eher ein Nebensächlichkeit sind. Nach einigen weiteren Liedern wurde das Mittagessen hergerichtet. Es gab Enten aus eigener Zucht und natürlich Reis und Kartoffeln, dazu noch Kohlsalat.
Nach dem Essen bekamen die Erzieherinnen als Weihnachtsgeschenk eine Schale mit den Grundnahrungsmitteln, wie Reis, Zucker, Mehl,… Die Mädchen bekamen ebenfalls ihr Geschenk und freuten sich sehr über die neue Unterwäschegarnitur mit Socken und einigen Süssigkeiten. Ich schenkte den Mädchen einen Gutschein, um in den Ferien einmal Weihnachtsguetzli zu backen. Alle schienen sehr fröhlich und zufrieden zu sein.
Die Erzieherinnen gingen dann nach Hause und die Mädchen und ich riefen Francois und seine Eltern über Skype an, um ihnen gesegnete Weihnachten zu wünschen. Die Mädchen freuten sich so sehr darüber, Francois wieder einmal zu sehen. Sie sangen ihm das bekannte Weihnachtslied „Feliz Navidad“ vor. Zwischenzeitlich riefen mich meine Eltern ebenfalls an und natürlich wollten die Mädchen auch ihnen fröhliche Weihnachten wünschen.
Am Abend um 20.00 Uhr gingen wir dann noch zur Weihnachtsmesse in die Kirche ins Maridiaz. Die Novizinnen sangen alle mir bekannten Weihnachtslieder in spanisch. Ich weiss gar nicht, wie ich dies in Worten beschreiben soll. Es war einfach einzigartig und wunderbar. Die Kirche war mit so vielen Menschen gefüllt und alle lobten Gott und feierten die Geburt von Jesus. Die Menschen freuten sich und es war eine riesige Verbundenheit durch den Glauben zu spüren. Wow,….
Ich bin den Schwestern und Mädchen so dankbar, dass ich diese Weihnachten mit ihnen erleben darf und feiern darf. Denn so einfach kann Weihnachten gefeiert werden und so viel mehr kann einem dieses Fest geben, wenn Jesus wirklich bei allen Menschen im Zentrum steht. Ich bewundere dies sehr und hoffe, dass ich davon etwas in die Schweiz mitnehmen kann.
„Dia de los Santos Inocentes“
Übersetzt heisst dies: „Tag der unschuldigen Heiligen“, hier in Lateinamerika nennen sie ihn jedoch „Tag der unschulidgen Kinder“. Dieser Feiertag wird hier in der katholischen Kirche am 28. Dezember als Gedenktag gefeiert, aufgrund folgender biblischer Geschichte:
„Herodes wurde von den drei Sterndeutern aus dem Morgenland besucht, da sie den neuen König der Juden suchten. Herodes konnte ihnen nicht weiterhelfen, da er nichts von der Geburt eines neuen Königs gehört hatte. Jedoch wollte Herodes, dass die drei Sterndeuter ihm mitteilen, wenn sie diesen König gefunden haben. Nachdem die Sterndeuter ihm nicht wie gewünscht auf ihrem Rückweg über Jesus berichtet hatten, wurde Herodes wütend, denn er befürchtete, dass er seinen Tron verlieren könnte. Er erliess den Befehl, alle Knaben unter zwei Jahren in Bethlehem zu töten.“
Dieser Gedenktag hat sich aber mit der Zeit von einem „Fest der Kinder“ mit einem „Narrenfest“ verbunden und dies hat sich in Spanien und Teilen Lateinamerikas bis heute gehalten. Dort ist der „Día de los Santos Inocentes“ der Anlass, seine Mitmenschen zu veräppeln, wie man es in der Schweiz am 1. April macht. Dies steht in Zusammenhang mit der Mehrdeutigkeit des Adjektivs „inocente“, was nicht nur „unschuldig“, sondern auch „naiv“ oder „dumm“ heissen kann.
Wieso sie aber hier in Kolumbien dieses Fest mit Wasser feiern und sicher jeder entweder von Wasserbomben, die nach einem geworfen werden oder einfach mit Wassereimern, wie ich dies nach dem Gottesdienst erlebte, von oben bis untern nassgespritzt werden, konnten sie mir nicht erklären. Ich erfreute mich jedoch gar nicht an diesem Brauchtum, da es hier einfach zu kalt ist, um solche Wasserspiele zu machen. Die Mädchen fanden das ganze Fest natürlich sehr cool und waren den ganzen Nachmittag unterwegs, um nass zu werden. Ich verbrachte den Nachmittag strickend im Hogar und spielte mit den Kleinsten, die auch nicht an diese Wasserschlacht gingen.