Im Monat Dezember ist wirklich sehr viel gelaufen … es war eine sehr interessante und spannende Zeit. Ich möchte euch noch an zwei weiteren Ereignissen teilhaben lassen.
Wir bekamen eine Einladung von einigen „Bienhechores“ (Wohltätern), welche ein Essen für insgesamt 5 Kinderheime von Pasto organisierten. Sponsoren waren Coca-Cola und irgendeine bekannte Apotheke. Zuerst wurde ein Gottesdienst gefeiert. Die jüngeren Kinder bekamen ein kleines Geschenk, für die Jungen gab es ein Auto und für die Mädchen eine Puppe. Danach gab es ein Mittagessen mit Poulet, Kartoffeln und „Risi-Bisi“ der zu meinem Erstaunen nach Curry schmeckte. Die Mädchen erfreuten sich nicht so ab dem für sie neuen Geschmack. Dafür hatte ich meine Freude daran, mmhhh.
Das Wetter spielte so gut mit, dass es wirklich ein gelungener Anlass war und die Kinder auf der Quartiersstrasse spielen konnten. Ich war ganz angetan von diesen „lüben“ Jungen, welche es genossen, wenn sie fotografiert wurden.
Am Nachmittag zeigten die Kinder dann als Dankeschön für die „Bienhechores“ ihr Können. Die Mädchen führten Tänze auf, auch sehr gute Sänger und Dichter waren zu hören. Der jüngste Sänger war 5 Jahre alt und wird mit anderen Kindern in einem Förderprogramm für Talente geschult. Ich finde es schön, wenn diese Kinder erleben dürfen, wie so viele Menschen ihr Talent bewundern. Sie dürfen in diesem Programm erleben, dass sie etwas können und wertvolle Menschen sind. Diese Förderung des Selbstvertrauens brauchen sie wirklich, denn sie alle haben sehr schwierige Geschichten zu tragen. Ich möchte hier nur ein kleines Beispiel aufführen.
Der Vater kam wieder einmal mehr total betrunken nach Hause. Er schreit die Frau an und erschiesst sie im Streit mit einer Pistole. Danach sucht er die zwei Kinder in der Wohnung, welche sich jedoch sehr gut versteckt haben. Der Vater findet sie nicht und erschiesst sich daraufhin selber. Die zwei Kinder kommen völlig verstört in ein Heim in Pasto. Nun stehen sie ganz alleine in dieser grossen weiten Welt.
Welch ein Segen ist es, wenn sich Menschen solchen Kindern annehmen und sie in ihren Begabungen fördern und einfach lieben, damit sie sich, so hoffen wir, einmal selber in dieser Welt behaupten können.
Wieder einmal mehr durfte ich für mich Neues kennenlernen und miterleben. Auch wenn mich teilweise die Geschichten der Kinder doch sehr nachdenklich stimmen, bin ich einfach dankbar für das Erlebte und geniesse die letzte Zeit mit den Kindern, Hermanas und Erzieherinnen im Hogar. Auch zeigt mir dieser Einsatz hier auf, dass wir mit der Adoption eines Kindes aus Kolumbien auf dem Weg sind, den Gott für uns vorgesehen hat. Sicher ist dies nur ein Tropfen auf den heissen Stein, in diesem Land, wo so viele Kinder mit schwierigen Geschichten ihr Leben bestreiten müssen, aber die Menschen die in diesen Hogars und den Förderprogrammen arbeiten oder leben, geben den Kindern ihre ganze Liebe und eine Hoffnung, dass sie ihr leben meistern können.
Gestern hatten wir Besuch von einem schwedischen Ehepaar mit zwei adoptierten Kindern, welche sie im Alter von drei und vier Monaten bekamen. Die Mädchen sind heute 15 und 18 Jahre alt und suchen nun hier in Pasto und der näheren Umgebung nach ihren Wurzeln. Sie wurden von einer Frau begleitet, die sich dafür spezialisiert hat, mit Adoptivkindern und deren Adoptiveltern diesen Weg zurück in die Vergangenheit zu wagen.
Ich geniesse jedoch auch die einsamen Zeiten, in denen ich mich bewusst zurückziehe und zum Beispiel die herrliche Natur geniesse, vorallem dann, wenn das Wetter wieder einmal schön ist. So wollte ich mir schon lange einmal einen Überblick über die Stadt Pasto verschaffen und ich muss sagen, diese Stadt ist einfach riesig. Leider sieht man den Vulkan Galeras nicht, da er in der Regenzeit meist von Wolken bedeckt wird, aber seht euch doch die Photos selbst an… denn die sagen mehr als tausend Worte.
Auf dem vierten Foto meiner Wanderung ist ein kleiner Hügel zu erkennen. Dort steht das Hogar de Maria. Man sieht zwar nicht so viel, da ich den Berg nur von der hinteren Seite fotografieren konnte. Wir wohnen auf der vorderen Seite mit Blick auf die Stadt.