Nach dem kleinen Umweg über Cali und der „unfreiwilligen“ Übernachtung dort, sind wir am letzen Mittwoch 10. Sept. ohne weitere „Komplikationen“ in Pasto angekommen.
In den ersten Tagen im Hogar de Maria haben wir die Kinder etwas besser kennen gelernt. Die Kinder kommen sehr neugierig und kontaktfreudig auf uns zu und wir werden in unseren Spanisch(un)kenntnissen sehr gefordert. Die Mädchen sind jedoch sehr geduldig mit uns und erklären uns alles auf verschiedenste Art und Weise. Vor allem geniessen sie es, jetzt während ihrer Ferienzeit, wenn wir einfach Zeit haben, um mit ihnen zu spielen. Bevorzugte Spiele sind Ballspiele, Basketball, Fangen usw. … Hauptsache viel Bewegung und rennen, damit sie sich austoben können. Wenn das mit diesem Höhentraining so weitergeht, sind wir topfit, wenn wir zurück kommen 😉
Im Hogar de Maria leben im Moment 26 Mädchen zwischen 7 und 18 Jahren. Auf vier Gruppen, welche sie hier Familien nennen, wohnen 7 bis 8 Mädchen in jeweils einem eigenen, kleinen Häuschen, zusammen mit einer Hermana (Franziskaner Ordensschwester). Die Sozialpädagogen, Psychologen und Lehrer werden hier Tias (Tanten) genannt und unterstützen die Hermanas in der Betreuung und Erziehung der Kinder. Die Mädchengruppen sind altersgemischt und funktionieren, an unseren Verhältnissen gemessen, sehr selbstständig. So übernehmen die älteren Mädchen die Miterziehung und Betreuung der Jüngeren.
Jedes Mädchen hat zugeteilte Ämtli und Arbeiten, welche durch den Tag hindurch erledigt werden. Das beginnt frühmorgens um 5.30 Uhr mit aufstehen, waschen, anziehen und Morgenessen. Danach wird geputzt, das Areal gewischt, die Blumen getränkt und es werden weitere Arbeiten rund um die Häuser erledidgt. Natürlich gehört auch das selbstständige Waschen der Kleider, von Hand mit kaltem Wasser und Seife, dazu. Das ist eine sehr aufwändige Arbeit. Am Mittag und Abend helfen die Kinder beim Kochen und bringen danach die Küche wieder in Ordnung. Da am Wochenende die Köchin nicht arbeitet, übernimmt jeweils eine der vier Familien den Kochdienst.
Wir haben ein kleines, herziges Zimmer mit WC und Dusche. Das Bett ist etwas schmal, dafür können wir in den kalten Nächten näher zusammenrücken. Auch haben wir im Moment zum Duschen nur kaltes Wasser, da der Durchlauferhitzer nicht richtig funktioniert. Aber dies sollte bald behoben werden, so hoffen wir. Sandra hat ihre freie Zeit genutzt, um einen Nachtvorhang zu nähen. Unser Zimmer liegt nämlich genau am Weg, wo alle Kinder und Schwestern hin und her laufen. Apropos nähen, das war ein Projekt. Die „moderne“ Nähmaschine funktionierte nicht wirklich und kroste ziemlich im Getriebe. Weder Öl, richtige Einstellungen noch gutes Zureden brachten die Maschine zum Laufen. Die zweite Maschine war ein Ur-Modell, ehemals mit Fusspedal betrieben, jedoch mit einem Elektromotor nachgerüstet. Aber wenigstens stabile Ware, die funktioniert und das Projekt „Vorhang“ konnte nach vielen Stunden Arbeit abgeschlossen werden.
Da die jüngeren Mädchen noch eine Woche Ferien haben, sieht der Alltag im Moment sicherlich etwas anders aus und somit sind auch unsere Aufgaben noch nicht klar definiert. Eine Aufgabe von Francois wird sein, den älteren Mädchen PC Kenntnisse beizubringen und Sandy wird auf Wunsch der Schwestern, diesen ein klein wenig Deutsch beibringen.