Spulen wir den Film nochmals kurz zurück und beginnen beim Aussteigen aus dem Bus in Alausí …
Francois hatte bemerkt, dass sein Rucksack nicht mehr am platzierten Ort in der Hutablage, oberhalb von unserern Sitzplätzen, war. Obwohl der Busfahrer sofort weiterfahren wollte, haben wir den ganzen Bus mehrmals nach dem Rucksack durchsucht. Leider war dieser unauffindbar. Plötzlich meldete sich eine Frau zu Wort, die meinte, dass sie sah, wie in Cuenca, noch im Busterminal, eine Schmuckverkäuferin den Rucksack ganz hinten im Bus jemandem zum Fenster rausgegeben habe.
Super, das musste genau mir, dem sicherheitsbewussten Francois, passieren. Der Rucksack mit samt dem Inhalt war weg. Genau dieses eine Mal, trugen wir unsere Pässe nicht auf Mann/Frau, sondern diese waren mit samt Impfausweisen im Rucksack.
Wir haben uns an die Situation in Cuenca zurückerinnert und konnten uns vorstellen, wie der Diebstahl passiert sein könnte. Der Reisebegleiter der Busgesellschaft hat mir meinen Rucksack abgenommen und in der Hutablage oberhalb von unseren Sitzen platziert. Mehrere Verkäufer kamen in den Bus, unter anderem auch eine Frau, die Schmuck verkaufen wollte. Alle Verkäufer boten ihre Ware an, diese Frau aber nicht. Sie wandelte nur kurz durch den Bus und stieg dann wieder aus. Kurz vor der Abfahrt stieg sie abermals ein lief nach hinten und hielt sich längere Zeit im hinteren Teil auf. Das musste die Zeit gewesen sein, als sie den Rucksach mit irgendetwas nach hinten gezogen und dann einem Komplizen aus dem Fenster gegeben haben musste.
Während der ganzen Fahrt beobachteten wir, ob irgendjemand etwas aus der Hutablage nimmt. Dies war aber nicht der Fall. Francois hat den Bus nie verlassen und immer die Hutablage und „seinen“ Rucksack im Auge behalten. Erst beim Aussteigen hatten wir bemerkt, dass dies nicht unser, sondern ein anderer schwarzer Rucksack war.
Wir haben uns also überlegt, was wir tun sollten, denn das wichtigste, unsere Pässe, waren weg. Diese benötigen wir, da wir ja sonst nicht über die Grenze nach Kolumbien gehen können. Es war uns nicht möglich, weder die Polizei vor Ort, noch die Botschaft in Quito zu erreichen, da ja Wochenende war.
So riefen wir unsere Eltern an und haben ihnen das Missgeschick mitgeteilt. Unsere Eltern und Freunde setzten sich sofort ein, um herauszufinden, wie wir schnellstmöglich an neue Pässe kommen könnten. Die Familie und viele Freunde haben uns in dieser Situation im Gebet begleitet …
Am Sonntag Mittag, als wir mit dem Zug von der „Nariz del Diabolo“ zurückgekehrt waren, erhielt Francois eine SMS von Alexandra, einer Volontärin in Quito, mit dem Inhalt, dass ein „Herr Franklin“ in Cuenca einen Plastiksack mit unseren Pässen und einigen Büchern und Papieren gefunden habe. „Gracias a Dios!“ Warum kam diese SMS von Alexandra aus Quito?
Der Finder hatte in unseren Sachen einen Ausdruck eines E-Mails gefunden, in welchem eine Telefonnummer von Franziskanerschwestern in Quito gestanden hatte. „Herr Franklin“ rief also bei dieser Nummer an. Die Schwestern in Quito haben dann mitten in der Nacht die Verantwortliche der Missionsprokura in Oberriet angerufen. Diese hat mit der Verantwortlichen von Voyage Partage telefoniert. Alle haben versucht uns oder unsere Eltern zu erreichen, dies leider erfolglos. Zu guter letzt hatte Voyage Partage mit Alexandra in Quito Kontakt aufgenommen. Die hatte meine Nummer, da ich ihr zuvor über den Vorfall Bescheid gegeben hatte … Ups, das hat ja Kreise gezogen.
Nach dieser Nachricht fuhren wir also überglücklich mit dem Bus zurück nach Cuenca. Petra eine Studentin, die mit uns unterwegs war, hatte ebenfalls regen Kontakt mit Freunden in Ecuador, die uns weitergeholfen hätten. Wir vereinbarten mit „Herr Franklin“, dass wir uns in einem bekannten Cafe treffen könnten. Wir waren zu diesem Zeitpunkt schon noch unsicher, was uns erwarten würde: War dies der Dieb, der noch mehr wollte? Mussten wir mit einer hohen Auslösesumme rechnen? Was war der Franklin für ein Typ und tauchte er überhaupt auf?
All unsere Bedenken haben sich verflüchtigt, als wir einen jungen Mann sahen, der mit einer Plastiktüte, suchend um sich blickend, ins Cafecito eintrat. Er kam mit einem Kollegen und übergab uns die Pässe und die gefundenen Sachen. Wir haben mit ihm einige Worte gewechselt und es war ihm wichtig, dass wir wissen, dass nicht alle Ecuadorianer so sind (Diebe).
Franklin ist ein sehr sympatischer, ehrlicher, junger Mann, der nicht einmal einen Finderlohn annehmen wollte. Wir haben ihm dann aber trotzdem etwas gegeben und drückten ihm nochmals unsere Dankbarkeit aus. Alle wichtigen Sachen, die für uns unter anderem auch einen emozinalen Wert haben, erhielten wir zurück; Tagebuch von Sandy, spanische Bibel von Heidi usw.
Wir bedanken uns von ganzem Herzen bei allen, die uns auf vielfältige Art und Weise unterstützt haben. Auch entschuldigen wir uns für die Umstände und Sorgen, die wir bereitet haben.
Heute Montag haben wir nun den zweiten Versuch gestartet, unsere Reise nach Pasto fortzusetzen. Da jedoch genau ab heute 1. September der Flughafen in Cuenca für einige Tage geschlossen ist, fuhren wir mit dem Bus nach Guayaquil und von da mit dem Flugzeug nach Quito. Morgen Dienstag setzen wir unsere Reise, wie geplant mit dem Bus Richtung Pasto fort …
By the way
Da wir unsere Laptop nicht mehr haben, ist es uns im Moment nicht möglich, E-Mails regelmässig zu beantworten und fleissig Bilder hochzuladen. Sobald wir wieder etwas „Luft“ haben, werden wir das nachholen. Weiterhin freuen wir uns über jedes Mail und jede Nachricht aus der Schweiz und lesen diese auch von Zeit zu Zeit in einem Internetcafe.
Bis bald
Francois und Sandy