… und schon hat das neue Jahr begonnen, aber zuerst möchte ich euch doch noch berichten, wie das alte Jahr hier abgeschlossen wurde.
Die Mädchen haben zwei „año viejo“ gebastelt. Diese zwei Puppen wurden mit alten Kleidern hergestellt und anschliessend mit Stofffetzen gestopft. Den Kopf kleisterten sie mit Zeitungen und malten ihn danach an.
In der Stadt machten die Pastuser einen grossen Umzug mit ihren „año viejos“.
Um acht Uhr gingen wir in die Kirche zum Gottesdienst, um für das alte Jahr zu danken. Alle Mädchen durften in der Cabaña übernachten. Sie richteten ihre Betten her und die ersten schliefen bereits kurz danach. Um zehn Uhr gab es eine kleine Stärkung mit Kartoffeln und Poulet. Als dann schon bald zwölf Uhr war, gingen wir auf die Strasse, um die „año viejos“ anzuzünden. Überall brannten mitten auf der Strasse diese selbstgemachten Puppen. Natürlich wünschten sie auch hier allen ein „feliz año nuevo“.
Am Morgen darauf gingen wir wieder in den Gottesdienst, um das neue Jahr zu feiern. Der Gottesdienst wurde sehr feierlich gestaltet, ähnlich wie an Weihnachten in der Schweiz. Der Einzug des Pfarrers mit seinen Ministranten die das Kreuz und Weihrauch trugen. Mir gefiel besonders, dass sie hier den Ausklang des alten Jahres und den Beginn des neuen Jahres mit Gott feiern. Gott hat hier im Alltag, aber eben auch an speziellen Festen wirklich erste Priorität und dies nicht nur, da es dazu gehört, sondern da der Glaube wirklich im Alltag gelebt wird.
Über die Weihnachtszeit waren 17 Mädchen im Hogar. Einige durften Besuch im Hogar empfangen oder einen Tag bei den Eltern oder Verwandten verbringen, mussten jedoch abends wieder zurück sein. Die anderen 11 Mädchen waren mehrere Tage „zu Hause“, sei dies bei den Eltern oder Verwandten.
Am 2. Januar durfte ich mit acht Kindern eine Wanderung zu einem Kreuz machen. Die Mädchen freuten sich sehr über diese Abwechslung, vorallem jetzt in den Ferien, wenn sie die ganze Zeit im Hogar sind. Manchmal fällt ihnen dann hier verständlicherweise doch schon einmal die „Decke auf den Kopf“.
Die Wanderung war ziemlich anstrengend, da die Wege wirklich sehr steil waren. Doch alle waren zu recht stolz auf sich, dass sie es bis zu dem Kreuz geschafft hatten. Es lohnte sich auch, den die Sicht auf die Stadt, die umliegenden Berge und den Galeras war wirklich grandios.
In der Zeit vom 3. bis 6. Januar wird in Pasto „Carnaval“ gefeiert. Das wollte ich natürlich nicht verpassen. So ging ich mit einigen Mädchen auf die Strasse um den „Carnavalito“ zu feiern. Dies ist der Umzug der von Kindern gestaltet wird. Wir sahen verschiedene „carossen“ (Wägen), die verschiedenstes darstellten, schaut euch doch die Fotos an.
In der ganzen Stadt verkaufen sie an Ständen „Ponchos“, Hüte und Sonnenbrillen, denn dies ist hier die notwendige Schutzvorrichtung, um den Carnaval zu überstehen. Ihr fragt euch jetzt sicherlich wieso … überall wird man mit Schaum aus Spraydosen bespritzt und mit weissem Pulver (vermutlich gemahlene Kreide) beworfen… aber die Mädchen meinen, dass dies nur der Anfang sei, denn am 5. und 6. Januar sei erst der wirklich richtige Carnaval. Mal sehen, was mich da noch so alles erwartet.