Wir melden uns mit unserem Blog zurück. Über 10 Jahre des Wartens sind vorbei …
Die lange Wartezeit entstand, da es in Kolumbien eine „Lügenkampagne“ eines Fernsehsenders gab, welcher dem ICBF (Staatliche Sozialberhörde) unsaubere Machenschaften in der Adoption unterstellte. Das Ganze erwies sich jedoch als haltlos und das ICBF war bald wieder entlastet. Trotzdem wurde die Verfahrensweise im Adoptionsprozess angepasst und verschärft. So müssen Verwandte der Kinder bis ins Dritte Grad gesucht werden. An und für sich eine richtige Entscheidung. Oftmals kam es aber auch vor, dass Kinder wieder in ihre Herkunftsfamilie zurückplatziert wurden. Es kam vermehrt zu ungewollten Zwischenfällen und das Kindswohl war erneut gefährdet. Aus diesen und weiteren Gründen kam die Auslandadoption nie mehr richtig ins Rollen.
Für Interessierte gibt’s beim AdA Deutschland detaillierte und sehr gute Informationen.
Die letzten 11 Jahre waren aber keine Zeit des Wartens, sondern wir haben sehr viel Neues und Spannendes erlebt. So durften wir im Jahr 2009 zwei Pflegekinder, einen Jungen mit 1 1/2 Jahren und ein Mädchen mit 3 1/2 Jahren aufnehmen. Mittlerweile sind die Kids 12 und 14 Jahre alt und haben sich prächtig entwickelt, wie man so schön sagt. Wir haben die beiden lieb gewonnen, wie eigene Kinder und sind dankbar, dass wir sie auf ihrem Lebensweg begleiten können. Wir sind eine aktive Familie und verbringen viele tolle, bereichernde, aber auch herausfordernde Momente miteinander.
Als professionelle Pflegefamilie hatten wir auch die Gelegenheit diverse Weiterbildungen zu machen in den Bereichen Qualifizierte Erziehung von Pflege- und Adoptivkindern, Biografiearbeit, Neue Autorität usw. Sandra als Sozialpädagogin hat sich zur Traumapädagogin weitergebildet und gibt mittlerweilse selbst Kurse in der Traumapädagogik.
Wir hatten ja die Bewilligung, zwei Kinder zu adoptieren. Im Herbst 2018 prüften wir die Aufnahme von drei Geschwistern aus Kolumbien. Wir waren uns bewusst, dass dies eine grosse Herausforderung für unsere ganze Familie sein wird. Wir fühlten uns viele Jahre im Adoptionsprozess und im Warten von Gott getragen und es passt so vieles zusammen. Wir haben uns eine Auszeit genommen, um nochmals genau hinzuhören und unser Vorhaben genau zu prüfen. Schaffen wir es drei kleine Kinder aufzunehmen und ihnen das zu geben, was sie jetzt und später fürs Leben brauchen? Wir bekamen ein klares ja. Zudem haben wir so gute Erfahrungen mit unseren Pflegekinder und Tageskinder gemacht, was unsere Entscheidung bekräftigte.
Wir stellten also erneut einen Antrag zur Aufnahme von drei Geschwistern im Alter zwischen 0 und 6 Jahren. Dies bedeutete einmal mehr: Soziale Abklärung und Bericht, neues psychologisches Gutachten, Arztzeugnisse, Nachweis Leumund usw. Aber das sind wir uns ja schon gewohnt. Der Antrag wurde bewilligt.
Kurze Zeit später wurden wir vom BGA, unserer Vermittlungsstelle für Adoption in der Schweiz, informiert, dass sie die Akkreditierung verlieren. Das hatte damit zu tun, dass Kolumbien nur noch Kinder mit speziellen Bedürfnissen ins Ausland vermittelt. Das bedeutet, entweder Kinder mit einer Behinderung, ältere Kinder/Jugendliche oder drei Geschwister und mehr. Viele Partnerorganisationen konnten dieser Vorgabe nicht mehr zustimmen.
Dann ein Jahr später, im Sommer 2019 mussten wir erneut wichtige Dokumente einreichen. Das deutet in der Regel darauf hin, dass „etwas im Busch“ ist. Tatsächlich bekamen wir Ende November einen Kindervorschlag für die Adoption von drei hübschen, dunklen Jungs; zwei, drei und sechs Jahre alt. Erneut hat das Fragen aufgeworfen – schaffen wir das? Wollen wir das noch? Sind wir bereit dazu? Ja, wir machen weiter …
So haben wir im Dezember zugesagt! Es hiess, ab jetzt drei bis sechs Monate warten, dann dürfen wir nach Kolumbien. Mitte Dezember kam aber sehr überraschend die Meldung: „Am 20. Januar ist Tag der Übergabe“. Da mussten wir über die Festtage aber “Guzzi geben“. Flüge suchen, Hotel buchen, Visa beantragen, diverses mit der Anwältin in Kolumbien klären, Schuldispens erneuern, Begleitperson suchen, Pendenzen erledigen, packen und und und…
Nun ist der 15. Januar 2020 und wir sitzen im Flugzeug von Zürich über Madrid und Panama nach Cali – wir Eltern, unsere beiden Pflegekinder und eine gute Freundin, die uns die ersten Wochen begleitet. Am Donnerstag in der Nacht kommen wir an und haben dann noch das Wochenende um uns anzuklimatisieren. Am nächsten Montag um 14.00 Uhr ist dann endlich der grosse Tag und wir warten gespannt …



