Die Zeit vergeht wie im Flug. Schon steht Weihnachten vor der Tür. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Die Mädchen haben schöne Krippen in ihren Häusern aufgestellt. Man spürt, dass sie mit sehr viel Liebe gemacht wurden. Eine Familie hat ihre Krippe drei Mal umgebaut, bis sie dann für alle stimmte. In der Cabaña steht die grösste und schönste Krippe. Die Schwestern und Mädchen haben lange daran gearbeitet.
Ja und dann kam noch der San Nicolas mit seinen zwei diburcios (Schmutzli). Diese zwei Gehilfen sehen jedoch etwas gefürchiger aus als in der Schweiz, denn sie tragen eine schwarze Kaputze über dem Gesicht. Es war für mich sehr spannend zu sehen, wie dieses besondere Fest hier in Kolumbien gefeiert wird:
Der San Nicolas begrüsst alle recht herzlich und überbringt Grüsse von Jesus, Gott und Maria, der Mutter Gottes. Er fragt die Kinder, ob sie denn auch die Bibel gut studiert hätten. Danach fordert er die zwei schwarzen Gehilfen auf, ein Kind zu holen, welches zu ihm nach vorne kommen soll. Der San Nicolas stellt dem Kind eine Frage aus der Bibel:“Quièn estuvo tres dias y tres noches en el vientre de un pez?“ (Wer war drei Tage und drei Nächte im Bauch eines Fisches?) Konnte das Kind die Frage richtig beantworten mit „Jonas“, so bekam es etwas Süsses. Hätte das Kind die Frage nicht beantworten können, würde es in den Sack gesteckt und mitgenommen werden.
Natürlich ist dies mit dem Sack ähnlich, wie in der Schweiz, denn es wird ja nie ein Kind im Sack mitgenommen.
Die Kinder hier in Pasto waren natürlich alle sehr aufgeregt. Sie bekamen jedoch von den Schwestern ein Blatt mit Fragen und Antworten, welche der San Nicolas stellen könnte, um sich darauf vorzubereiten. Einige nutzten die Vorbereitungszeit und andere begannen erst damit, kurz bevor der San Nicolas dann wirklich kam (siehe 1. Foto). Einige der neunjährigen Mädchen, die dieses Fest bisher nicht kannten, hatten doch ziemliche Angst. Sie hielten Stecknadeln in der Hand, damit sie den „dibursio“ stechen könnten, falls er sie in den Sack nehmen würde. Als er dann aber tatsächlich da stand, waren die grossen Worte verflogen. Sehr einfühlsam fragte er diese Jüngeren zum Beispiel, wer ihnen hier im Hogar am Meisten helfe. Dies war dann nicht schwer zu beantworten.
Natürlich musste auch ich zum San Nicolas und ich fragte ihn, ob er mir nicht eine Frage auf Deutsch stellen könne. Dies machte er jedoch nicht. Von mir wollte er wissen, was ich für Erfahrungen hier im Hogar mit den Menschen gemacht habe und wieso ich gerade hierher nach Pasto kam. Ich war mit meinem Spanisch doch ziemlich herausgefordert, aber es hat gereicht, so dass mich die Schmutzlis nicht in den Sack steckten.
Es war für mich eine grosse Freude mit den Mädchen und den Schwestern diese Feier miterleben zu dürfen.
Ich war das erste Mal krank und lag mit einer Magendarmgrippe und Fieber im Bett. Die Schwestern kümmerten sich jedoch sehr gut um mich und brachten mir Tee und Suppe ins Zimmer. Die Mädchen klopften zwischendurch und wollten wissen, wie es mir geht. Zum Glück dauerte die Grippe nur drei Tage. Danke für die Gebetsunterstützung. Bisher hatten Francois und ich ja wirklichlich nichts zu beanstanden, denn wir waren nie erkältet oder krank. Obwohl hier im Hogar immer jemand der Kinder oder Schwestern an einer Grippe leidet.
Am Sonntag Abend bereiteteten die Mädchen der Familie Ruiseñor eine wirklich sehr schöne „Novena“ (Andacht), zum morgigen Feiertag, Maria Empfängnis, vor. Sie zeigten ein kleines Theaterstück zum Bibeltext „die Hochzeit in Kanaan“. Danach bekamen alle Kerzen, zündeten diese an und gingen auf die Strasse. Sie nennen dies auch „Dia de las velas“ (Tag der Kerzen). Wir spazierten gemeinsam durch die Strassen und fanden überall Kerzen die brannten. Natürlich konnten die Kinder so auch einmal die Weihnachtsbeleuchtungen sehen, sonst gehen wir ja um diese Zeit nicht mehr in die Stadt. Die Mädchen waren sehr fasziniert von der Lichterpracht und wollten überall Fotos machen. Einige könnt ihr im Fotoalbum anschauen.
Am Tag darauf durften diejenigen Mädchen, die bei den Arbeiten für die Weihnachtsgeschenke der „Bienhechores“ (Wohltäter) mitgeholfen hatten, mit einer „Tia“ und mir nach Chachagui zum Baden. Die Mädchen freuten sich riesig über dieses kleine Dankeschön, welches ihnen die Hermanas ermöglichten. Wir fuhren mit einem Kleinbus ca. 45 Minuten und schon war das Klima wirklich total anders. Die Sonne strahlte und es war heiss. Ich genoss dies natürlich sehr, da es mir in Pasto zur Zeit einfach oftmals zu kalt und vorallem zu nass ist.
Die Mädchen waren überglücklich und planschten im Pool herum und zwar stundenweise. Obwohl sie mit der Zeit froren, wollten sie keine Zeit verschwenden, um das Wasser nicht zu geniessen. Nur einige von den Mädchen konnten schwimmen, da sie ja auch sonst keine Möglichkeiten zum Schwimmen haben, denn in der Schule ist dies kein Fach, wie in der Schweiz. Ich zeigte ihnen die Bewegungen und sie übten und übten. Ein 11 jähriges Mädchen war so ehrgeizig und ausdauernd, dass sie es wirklich konnte, als wir am Abend wieder zurückfuhren. Die Mädchen wären natürlich noch sehr gerne länger geblieben.
Ich habe noch nie gesehen, wie sich Kinder einen Tag lang so über einen Besuch eines Pools freuten. Dies bewundere ich so an ihnen ein wirklich herrliches Erlebnis.