Am vorletzten Freitag waren wir im Colegio Maridiaz – dies gehört ja, wie auch schon beschrieben, ebenfalls zum riesigen Areal der Franziskanerinnen – und haben die Wahl zur neuen „Vertreterin der Schule“ miterlebt. Hier gehen nur Mädchen zur Schule, vom Kindergarten über die Primaria bis zum Colegio. Wir ihr auf den Photos (geschützter Bereich) sehen könnt, hat es sehr viele Schüler. Die Wahl war ein Megaevent und an diesem Tag fiel der Unterricht aus. Bis alle Schülerinnen ihre Favoritin gewählt hatten, verging doch einige Zeit. Übrigens sechs von den Mädchen des Hogars gehen hier ebenfalls zur Schule.
Am Samstag, 4. Oktober, war der Gedenktag von Santo Francisco de Asis und es gab ein spezielles Festessen. Wir durften vier Mädchen des Hogars zeigen, wie man Pizza macht. Die Mädchen sind sehr interessiert Neues kennen zu lernen. Seien dies Spiele, Lieder in schweizerdeutsch oder eben neue Rezepte. Natürlich haben wir damit gerechnet, dass alle Kinder Pizza sehr, sehr gerne essen; wie im Kinder- und Jugendheim Bild 😉 Jedoch gabe es einige Mädchen, die noch nie Pizza gegessen haben und auch neue Geschmäcker, Oregano und Pfeffer, nicht unbedingt mögen. Obwohl wir extra wenig gewürzt haben, meinten einige Mädchen dazu, die Pizza sei „pica, pica“, sie sei scharf. Von den anhand schweizer Verhältnissen berechneten Menge von sieben Blechen für 35 Personen, blieben noch drei Bleche übrig. Dies freute uns jedoch sehr, da wir alle die folgenden drei Tage immer wieder in den Genuss von einer feinen, selbstgemachten Pizza kamen.
Am darauf folgenden Sonntag haben die Schwestern uns mit einem Ausflug überrascht. Wir fuhren mit dem Auto zur nahe gelegenen „Laguna de la cocha“. Schon sehr früh siedelten sich augewanderte Schweizer da an und errichteten ein Hotel aus Holz. Da in der Umgebung genügend Holz vorhanden ist, haben Einheimische den Baustil übernommen und so stehen an dieser Lagune sehr viele Häuser im schweizer Chalet-Stil. Da fühlt man sich doch gleich ein klein wenig wie zu Hause. Nach einer feinen Forelle „Trucha frita“ entführten uns die Schwestern mit einem kleinen Boot auf die nahe gelegene Insel „Corota“. Diese besteht aus Vulkangestein und ist erklärtes Naturschutzgebiet. Wir haben den Spaziergang in der „Selva“ sehr genossen. Am späteren Nachmittag fuhren wir zu einem nahe gelegenen, kleinen Hafendorf der Lagune. Da das Gebiet sehr sumpfig ist, stehen die Häuser alle auf Pfählen. Ein wirklich herziges Dörfchen in welchem Sonntags ein schöner Markt stattfindet.
Aufgrund der Umstellung des Schulsystems hier in der Provinz Nariño, hatten die Mädchen letzte Woche schon wieder eine Woche Ferien. Damit es den Kindern nicht zu langweilig wird, hat Hermana Maria Adelina ein Sonderprogramm auf die Beine gestellt. Sandra hat die ganze Woche, vier Stunden pro Tag, Nähunterricht gegeben. Die Mädchen lernen den Umgang mit der Nähmaschine, wie man Kleider flickt, kürzt und mehr. Sandra hat sich viel Zeit genommen, nach dem Nähunterricht zur Verfügung zu stehen und mit den Kindern ihre Sachen zu flicken, seien dies heiss geliebte Stofftiere, Taschen oder eben Kleider. Francois hat den grösseren Mädchen Computer-Zusatzunterricht gegeben. Im Colegio wird zwar „computación“ gelehrt, damit die Jugendlichen aber auf diesem Gebiet etwas fitter werden und auch die neusten Versionen der verschiedenen Programme kennen lernen, wurde viel gebüffelt und geübt. Francois ist auch eine beliebte Anlaufstelle, wenn für Hausaufgaben recherchiert werden muss. Somit bringt Francois den Mädchen auch bei, wie man im Internet effizient an die richtigen Informationen kommt. Natürlich fragen auch die Schwestern immer wieder nach Tips und Tricks.
Letzten Freitag hatten die Schwestern mit den Angestellten eine tägige Retraite. In Zusammenarbeit mit den ältesten der Jungendlichen haben wir diesen Tag ohne Anweisenheit der Schwestern gut gemeistert. Die ältesten haben selbstständig das Mittagessen gekocht und die Mädchen haben wie gewohnt ihre täglichen Arbeiten und Ämtlis verrichtet. Am Nachmittag haben die Kinder genossen, dass wir viel Zeit für sie hatten und mit ihnen unter anderem UNO, Scharzer Peter und Memory spielten. Ein neu eingetretenes Mädchen von dreieinhalb Jahren hat vor allem Sandy auf trab gehalten, ein echter Wirbelwind …