Die Zeit vergeht wie im Flug und die Schule ist echt streng. Unser Tagesablauf sieht im Moment folgendermassen aus.
6.40 Uhr Tagwache
07.45 Schulbeginn
11.05 Uhr Mittagspause
(Und wer jetzt denkt, super, vier Stunden Mittagspause, der irrt. Hin- und Rückweg zu unserer Gastfamilie sind jeweils 20 Min. zu Fuss. Und meistens rufen wir in dieser Zeit auch noch die E-Mails ab.)
15.00 Uhr 2 Lektionen Zusatzunterricht
16.30 Uhr Schulschluss
Zwischendurch und danach min. 2 bis 3 Std. Hausaufgaben und lernen …
Aber keine Angst, uns bleibt genügend Zeit. Schaut euch die Photos an, die sprechen für sich 😉 Ebenso geniessen wir auch den Schulweg, den wir ja vier mal pro Tag zu Fuss machen. Entlang des Rio Tomebamba ist dies ein wunderschöner Start in den Arbeitstag. Oder am Abend durch die Stadt, duch die verschiedenen Gassen und Strassen, entlang den vielen kleinen Läden. Das einzige was da stört, ist die contaminación, die ist wirklich schlimm …
Am Mittwoch waren einige Studenten und Ruth, eine unserer Lehrerinnen, Cuy essen (Cuy = Meerschwein). Ja, was sollen wir denn dazu sagen, ausser, dass Cuy ähnlich schmeckt wie Kaninchen, es relativ wenig Fleisch dran hat, die Haut aber superknusprig ist und wirklich gut schmeckt; meint zumindest Francois.
Am Samstag waren wir wieder auf einem von der Schule organisierten Ausflug. Dieser war allerdings nicht so das wahre. Es hatte in der Desierto de Jubones sehr starke Windböen und da die Wege, teilweise nahe an Abgründen, sehr schmal waren, hat der Guide entschlossen, die geplante Wanderung aus Sicherheitsgünden abzusagen. Somit sind wir etwa zwei Stunden mit dem Bus von Cuenca südwestlich Richtung Küste gefahren, haben einen kurzen Spaziergang gemacht, einige Photos geschossen, zu Mittag gegessen und sind dann wieder zurück nach Cuenca gefahren. Doch wieder hatten wir Studenten es super untereinander. Es war sehr eindrücklich, den Ausläufern der Anden in Richtung Küste zu folgen und zu beobachten, wie sich die Vegetation, die Umgebung und auch die Kleidung, Lebensart und Typen der Menschen, verändern.
An einer meiner (Francois) schönsten Geschichten meines bisherigen Lebens möchte ich euch teilhaben lassen. Sandy und ich sitzen anfangs Woche in einem Café und machen unsere Hausaufgaben. Zwei weitere Studentinnen gesellen sich zu uns. Marina ist in der selben Klasse wie wir und Sarah studiert ebenfalls bei Sampere (unsere Sprachschule). Da Sarah aus dem Baselbiet kommt, bekunde ich, dass auch wir ursprünglich aus dem Raum Basel in die Ostschweiz gezogen sind. Sarah fragt mich nun wo wir denn gewohnt hätten. Ich erzähle ihr, dass wir in der Stadt Basel geboren sind und dann in Arlesheim einige Jahre gelebt haben. Da meldet sich Marina zu Wort und meint, dass sie in Arlesheim Verwandte hätte. Und zwar hätten diese ein Malergeschäft mit Namen „Stöcklin“ betrieben. Das fand ich dann allerdings „gspässig“, da auch meine Tante Emma etwas mit einem Malergeschäft mit Namen „Stöcklin“ zu tun hatte. Das sagte ich ihr dann auch und wir dachten erst mal an einen Zufall; klarer Fall, zwei Malergeschäfte. Dieser „Zu-Fall“ liess uns aber nicht mehr los und wir begannen zu forschen und Namen auszutauschen. Marina: „Kennst du einen Felix?“ Francois: „Der Felix, der nach Kanada ausgewandert ist? Das ist ein Cousin von meiner Mutter (Heidi).“ Marina: „Ja, genau den. Bei ihm war ich schon in den Ferien!“ Francois: „Kennst du eine Tante Emma?“ Marina: „Ja, aber das ist meine Grossmutter.“ Francois: „Hm, hast du schon was von Frieda, meiner Grossmutter gehört?“ Marina: „Ja, als ich klein war, waren wir da zu Besuch … und jetzt erinnere ich mich, ich glaube die hat was von ihrem Enkel Fra… erzählt“. Jetzt mussten wir eine Bestätigung haben und ich habe die Kurzfassung der Geschichte meiner Mutter per SMS mitgeteilt. Obwohl es mitten in der Nacht war, kam die Antwort prompt: „…. ja ihr seid verwandt ….“
Ich versuche nun das ganze aufzulösen. Tante Emma war die Schwester von meiner Grossmutter Frieda. Erika ist die Tochter von Emma und Marina deren Tochter. Meine Mutter Heidi ist die Tochter von Frieda. Somit sind Meine Mutter Heidi und Erika Cousinen. Felix ebenfalls ein Sohn von Emma und somit auch ein Cousin von Erika und Heidi.
In einem vorangegangenen Beitrag sagte ich mal „Die Welt ist ein Dorf …“ Ich habe hier auf der anderen Seite der Erdkugel, in Südamerika, Ecuador, Cuenca, in der selben Sprachschule, in der selben Klasse die nur aus vier Personen besteht meine Cou-Cousine (en español: prima de segundo grado) kennengelernt, die ich noch nie zuvor gesehen habe. WOW 🙂 Wir können es kaum fassen und freuen uns beide riesig 🙂
