Wir sind nun seit einer Woche hier in Cuenca und haben schon einiges erlebt. Die Schule und die Hausaufgaben kosten uns zwar viel Zeit, trotzdem können wir immer etwas unternehmen. Jeden Tag laufen wir mehrere Kilometer und erkunden die Umgebung und die Stadt. Es gibt hier schöne, gemütliche Fusswege z.B. entlang des Rio Tomebamba. Auch Downtown in den viele Strassen und Gassen gibt es immer wieder neues zu entdecken. Die Stadt ist bunt gefärbt mit verschiedenen Arten von Gebäuden, Läden, Kulturen, Angeboten, Leuten usw. Für die über 350’000 Einwohner, die hier im über 2500 Meter hohen Cuenca leben, gibt es genau 52 Kirchen; für jede Woche eine andere 😉
Wir haben schon mit einigen Studenten Bekanntschaften geschlossen und gehen immer mal wieder mit Leuten aus der Schweiz, Deutschland, Irland usw. aus. Es gibt hier viele gemütliche Restaurants und Cafés, die im Vergleich zu der Schweiz sehr günstig sind. Obwohl man sagt, dass Cuenca die teuerste Stadt in Ecuador sei.
Am letzten Wochenende waren wir mit einigen Mitstudenten im „El Cajas“ Nationalpark (siehe Photos im Album ). Wir haben eine geführte Wanderung auf ca. 3900 bis 4000 Höhenmetern gemacht. Leider war das Wetter nicht wirklich gut, abwechselnd Regen, Nieselregen, wenig Auflockerungen, Nebel und es war wirklich sehr, sehr kalt. Trotzdem hatten wir es super untereinander. Wir haben viel über die verschiedenen Ökosysteme des Parkes, die Pflanzen, Seen und Inkapfade erfahren. Der rotstämmige Bosque Polilepis zum Beispiel, dessen dünne, papierige Rinde zur Herstellung von Zigaretten gebraucht wird, wächst auch noch auf über 4000 Metern. Von den rund 550 Vogelarten, haben wir leider nur sehr wenige gesehen und gehört, es soll jedoch u.a. Tukane, Condors, aber auch Kolibris geben. Nach der Führung gingen wir am Rande des Parkes in einem Restaurant „trucha frita“ (Forelle gebraten) essen. Die war wirklich gut …. Im „El Cajas“ gibt’s übrigens nur noch Forellen. Als Kanadier vor vielen Jahren die Forelle eingeführt haben, wurde eben nicht bedacht, dass diese ein Jäger ist und somit gibt’s mittlerweile keine anderen Fische mehr in den genau 232 Seen des Parkes.
Wie es sich gehört 🙂 waren wir am Sonntag in der der Kirche und zwar in der „Nueva Catedral“. Die Messe dauerte zwar nur etwas über eine halbe Stunde, war aber sehr beeindruckend. Gehalten wurde die Predigt vom pensionierten Erzbischof und Befreiungstheologen Luis Alberto Luna Tobar, der sich als „Volksbischof“ der basisorientierten Sozialarbeit verschrieben hat und in Ecuador eine „berühmt, berüchtigte“ Person ist. Die Kathedrale war beinahe voll und wir schätzten die Besucherzahl auf rund 1800 bis 2000 Personen. Jeden Sonntag finden vier Gottesdienste statt. Jetzt könnt ihr mal kurz „überschlagen“, vergesst aber die anderen 51 Kirchen nicht … Der Gottesdienst wurde von den unterschiedlichsten Leuten besucht, alte Menschen, viele Familien mit ihren Kleinkindern, Menschen jeglicher sozialer Schicht und sehr viele junge Leute. Es herrschte eine lockere, ungezwungenen Atmosphäre, in der jeder Besucher sich willkommen fühlte. Der grauhaarige und bärtige Geistliche predigte von Herzen und seine lebendigen Worte ergriffen nicht nur das Volk, sondern berührten auch uns (obwohl wir nur teilweise verstanden, was er sagte). Der Höhepunkt war aber der christliche Friedensgruss. Da rannten nämlich alle Kinder nach vorne, die Mütter brachten ihre Kleinkinder und der Gottesmann nahm sich die Zeit und wünschte ihnen allen Frieden.
Diese Woche haben wir morgens Schule. Der Unterricht dauert von 7.45 Uhr bis 11.15 Uhr. Wir nehmen uns also diese Woche Zeit, um ab 11.20 Uhr (18.20 Uhr Schweizer Zeit) bis ca. 12.00 Uhr erreichbar zu sein.
Mit diesen Worten verabschieden wir uns bis zum nächsten Mal
Sandy & Francois